Oft sind es die Begegnungen mit dem Unbekannten, die uns am meisten prägen und uns lehren, wieder dankbarer für unser eigenes Leben zu sein. Eine solche Erfahrung durfte ich kürzlich auf einer Reise nach Ägypten machen. Zusammen mit einer Gruppe von 17 wunderbaren Menschen machte ich mich auf den Weg, um dieses faszinierende Land zu entdecken – nicht nur als Tourist, sondern auch als jemand, der nach tieferen Zusammenhängen und spiritueller Gemeinschaft sucht.
Geführt wurde unsere Reise missionarisch unterwegs e.V. von Renate und Hans-Martin Stäbler, der vielen noch aus seiner Zeit beim CVJM Bayern und als Geschäftsführer von “Christen in der Wirtschaft” bekannt ist. Begleitet wurden wir zudem von Elke und Dr. Roland Werner, die uns mit ihrem enormen Wissen über die Region und die Religionen beschenkten.
Zeit für Gemeinschaft und Reflexion
Unsere Reise begann in Hurghada am Roten Meer. Im SUNRISE Royal Makadi Resort fanden wir die nötige Ruhe, um anzukommen. Die Tage starteten wir nach einem reichhaltigen Frühstück mit einem geistlichen Impuls von Hans-Martin Stäbler. Gemeinsam zu singen und zu beten, schuf eine tiefe Verbundenheit innerhalb der Gruppe. Es ist ein großes Geschenk, wenn man den Tag so bewusst und in Gemeinschaft beginnen darf.
Besonders wertvoll waren für mich die abendlichen Vorträge von Roland und Elke Werner über den Islam. Dr. Roland Werner, der als Theologe und Autor tief in die Materie eingetaucht ist, erklärte uns anschaulich die Entstehung des Islam im 7. Jahrhundert. Was mich besonders berührt hat, ist der starke Fokus auf den Familienzusammenhalt im Islam. Der gegenseitige Respekt, die unbedingte Fürsorge für die Kinder und die tiefe Ehrung der Eltern sind Werte, von denen auch wir viel lernen können. Diese Einblicke haben mir geholfen, Vorurteile abzubauen und mit einem offeneren, dankbareren Herzen auf andere Kulturen zu blicken.
Begegnungen in der Wüste und in der Metropole
Am 7. März verließen wir das Rote Meer und fuhren Richtung Kairo. Ein besonderer Halt war Anafora, eine Klosteranlage der koptischen Christen mitten in der Wüste. Dieser Ort, gegründet von Bischof Thomas, ist ein wahres Wunder der Ökumene und der Gastfreundschaft. Wir durften zwei Tage dort im Gästehaus verbringen, wurden mit traditionellem Essen bewirtet und spürten die tiefe Spiritualität dieses Ortes. Es ist ein Ort, der Menschen aufrichtet – ein Ort, für den man nur dankbar sein kann.
In Kairo, wo wir im World Trade Center Hotel übernachteten, erwarteten uns die großen Kontraste. Wir besuchten das neue Grand Egyptian Museum, ein gigantisches Bauwerk, das die Schätze der Pharaonen, wie die vollständige Tutanchamun-Sammlung, beherbergt. Und natürlich standen wir auch vor den beeindruckenden Pyramiden von Gizeh.
Die Müllstadt: Wo der Glaube Berge versetzt
Das Erlebnis, das mich jedoch am tiefsten bewegt hat, war der Besuch der sogenannten Müllstadt, dem Zabbaleen-Viertel in Kairo. Hier leben koptische Christen, die unter schwierigsten Bedingungen den Müll der Millionenmetropole sammeln und recyceln. Mitten in diesem Viertel besuchten wir das Kloster des Heiligen Simon des Gerbers – eine gewaltige Höhlenkirche im Mokattam-Berg, die Tausenden Menschen Platz bietet.
Zu sehen, mit welcher Hingabe und welchem tiefen Glauben diese Menschen ihr Leben meistern, hat mich zutiefst demütig gemacht. Es relativiert so viele unserer alltäglichen Sorgen und Probleme. Ich bin unendlich dankbar für diese Begegnungen. Sie haben mir gezeigt, dass echter Reichtum nicht in materiellen Dingen liegt, sondern in einem starken Glauben, in der Gemeinschaft und in der Hoffnung, die uns trägt.
Diese Reise war ein Geschenk. Ein Geschenk an Eindrücken, an Gemeinschaft und an geistlichem Wachstum. Und dafür sage ich heute ganz bewusst: Mehr danke!